ABSTAMMUNG DES HOCHLANDRINDES

Geschichte und Verbreitung in Österreich

Die Vorfahren des Hochlandrindes stammen unbestreitbar vom eurasischen Kontinent und waren bereits domestiziert, als sie die britischen Inseln erreichten. Die Kelten, die erst zwischen 900 und 300 v. Chr. nach Britannien kamen, gelten nicht nur als rauf- und reiselustig sowie als geschickte Handwerker, sondern auch als gute Viehzüchter. Wahrscheinlich haben sie die in Britannien bei ihrer Ankunft bereits heimischen Rinder genutzt, vielleicht auch mit ihrem mitgebrachten Vieh gekreuzt, und so zur Entwicklung des späteren Hochlandrindes beigetragen. Damit endet jedoch auch der Einfluss der Kelten. In vielen Rassebeschreibungen findet man die Behauptung, das Hochlandrind habe sich aus einem „keltischen Ochsen“ entwickelt. Das ist, wie bereits dargelegt, unrichtig und außerdem unmöglich, da sich Ochsen bekanntlich nicht fortzupflanzen pflegen.

In der Abgeschiedenheit des schottischen Hochlandes und der westlich vorgelagerten Inseln, einem typischen Rückzugsgebiet, konnte sich im Laufe vieler Jahrhunderte aus dem neolithischen Ausgangsmaterial das Hochlandrind, wie wir es heute kennen, entwickeln. Die Vorfahren des Hochlandrindes mussten sich unter dem Druck der härtesten und effektivsten Zuchtmethode, der natürlichen Auslese, an die rauen, kargen und harten Bedingungen ihrer Zweitheimat anpassen. Da das Hochlandrind züchterisch nur mäßig bearbeitet wurde, behielt es bis heute weitgehend seine ursprünglichen Eigenschaften und Merkmale. Es wird daher zu Recht den Robustrinderrassen zugeordnet. Ursprünglich dürfte es eine Vielzahl stark unterschiedlicher Schläge des Hochlandrindes gegeben haben, die im Laufe der Zeit zu einer Rasse verschmolzen.

 

So war zum Beispiel das Kyloe immer schwarz, klein und struppig. Ein anderer urtümlicher Schlag von gleichfalls schwarzen, aber etwas größeren Hochlandrindern soll nur jedes zweite Jahr gekalbt haben. In geschichtlicher Zeit war unbestritten das schottische Hochland nebst den im Westen vorgelagerten Inseln die Heimat des Hochlandrindes. Es wird im deutschsprachigen Raum daher vielfach als „Schottisches Hochlandrind“ bezeichnet,  obwohl die wörtliche Übersetzung von Highland Cattle nur „Hochlandrind“ oder „Hochlandvieh“  lauten kann. Sogar die Schotten selbst nennen ihr „Nationalrind“ wahrheitsgemäß Highland  Cattle. Seit 1885, also seit mehr als 120 Jahren, wird es im Herdebuch der Highland Cattle Society geführt. Durch diese langjährige züchterische Betreuung kam es zu einer gewissen Vereinheitlichung der Rasse.

 

Trotzdem findet man auch heute noch neben kleinrahmigen und leichteren, auch großrahmigere, schwerere Schläge. Bemerkenswert ist der Umstand, dass Hochlandstiere in Schottland schon seit etwa 120 Jahren gezielt und erfolgreich auf Gutmütigkeit selektiert werden.

Bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte das Hochlandrind fast nur lokale Bedeutung. In den letzten 50 Jahren hat es sich von Schottland aus über weite Teile der Welt verbreitet. So gibt es Populationen und Züchterorganisationen in den USA, Kanada, Neuseeland, Australien, Südafrika, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien, den Benelux-Staaten, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, neuerdings in Slowenien, Tschechien, Rumänien, Ungarn und Polen, und diese Aufzählung ist keinesfalls vollständig. Man kann geradezu von einem globalen Siegeszug des Hochlandrindes sprechen. Diese weite Verbreitung in Gebieten mit den unterschiedlichsten Klimaten und daher stark variierenden Lebens- und Haltungsbedingungen hat einen plausiblen Grund: die besonderen Eigenschaften des Hochlandrindes.

Geschichte und Verbreitung in Österreich

In Österreich begann die Hochlandrinderzucht 1985 mit fünf, von einer steirischen Züchterin importierten, Exemplaren. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich bis September 2009 eine Population von 14. 212 Stück. Das sind 0,70 % des österreichischen Rinderbestandes.

 

Das Hochlandrind steht in Österreich damit bei den speziellen Fleischrassen    nach Limousin und Charolais an dritter Stelle. Aus dem 1985 von fünf Proponenten gegründeten Verband der Züchter des Schottischen Hochlandrindes in Österreich, entstand wenig später durch Umgründung die Arbeitsgemeinschaft österreichischer Hochlandrinderzüchter, kurz ARGE Hochlandrind genannt. Heute zählt die ARGE Hochlandrind nahezu 400 Mitglieder.

 

Die Ursachen für diese erfreuliche Entwicklung liegen einerseits darin, dass die österreichischen Hochlandrinderzüchter von Beginn an auf die Direktvermarktung setzen seit 1988 der  geschützten Marke HIGHLANDBEEF - und diese Vermarktungsart heute weiterverfolgen. Andererseits wirkte es sich positiv aus, dass die ARGE Hochlandrind einen eigenständigen, von der Highland Cattle Society (HCS) unabhängigen Weg einschlug. Die österreichischen Hochlandrinderzüchter wurden nicht in das teure System der HCS, mit Führung der Zuchttiere im schottischen Herdebuch und Beurteilung und Klassifizierung  der Rinder durch eingeflogene Fieldsmen der HCS, gezwungen. Diesbezügliche Bestrebungen konnten vom damaligen Vorstand der ARGE Hochlandrind erfolgreich verhindert werden.

 

Das Konzept der ARGE Hochlandrind, die von Berufslandwirten dominiert wird, zielte von Beginn an darauf ab, bäuerlichen Betrieben, vor allem in Ungunstlagen, eine extensive Produktionsalternative zu bieten. Dabei sind alle unnötigen Erlösschmälerungen zu vermeiden und die erzielbare Wertschöpfung muss weitgehend beim produzierenden Bauern bleiben.

 

Entnommen aus „Robustrinder“ mit freundlicher Genehmigung des österreichischen Agrarverlag.